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Routing

EIGRP

Enhanced Interior Gateway Routing Protocol

EIGRPCiscoDUALSuccessorFeasible-SuccessorIGPRouting

EIGRP ist Ciscos fortschrittlichstes Interior Gateway Protocol. Es kombiniert Vorteile von Distance-Vector (einfach, schnell) mit Link-State-Elementen (Topology-Tabelle, schnelle Konvergenz). Der DUAL-Algorithmus findet Loop-freie Backup-Routen vor Ausfällen — garantiert schnelles Failover ohne Reconvergence.

EIGRP DUAL-AlgorithmusRouterABFD: 10CFD: 20DFD: 30Ziel: 192.168.10.0/24Successor(beste Route)FeasibleSuccessorBackupEIGRP TabellenNeighbor TableTopology TableRouting Table

Entstehung und Beteiligte

EIGRP wurde Anfang der 1990er-Jahre von Cisco als Nachfolger von IGRP entwickelt. Der Diffusing Update Algorithm basiert auf Arbeiten von J. J. Garcia-Luna-Aceves. Cisco veröffentlichte 2013 eine informatorische Protokollbeschreibung.

Welches Problem sollte gelöst werden?

IGRP unterstützte keine klassenlosen Präfixe und konvergierte für moderne Netze zu langsam. Cisco wollte schnelle, schleifenfreie Neuberechnung mit mehreren Metrikbestandteilen und inkrementellen Updates.

Technische Hürden und Lösungen

DUAL muss Nachfolger und sofort nutzbare Ersatzwege bestimmen, ohne temporäre Schleifen zu erzeugen. Nachbarschaften, Query-Grenzen und Stuck-in-Active-Zustände verlangen sauberes Design. Herstellerübergreifende Nutzung blieb begrenzt.

Standardisierung und Einordnung

Routingverfahren beantworten die Frage, über welchen nächsten Knoten ein Paket sein Ziel erreicht. Ihre Entwicklung ist eng mit dem Wachstum des Internets und großer Unternehmensnetze verbunden. Die schwierigsten Probleme sind Schleifen, langsame Konvergenz, unvollständige Informationen und die Skalierung großer Tabellen. Kein Algorithmus kennt das gesamte reale Netz in Echtzeit; Router arbeiten mit ausgetauschten Zuständen, Regeln und Metriken.

Technik im praktischen Betrieb

Im Betrieb müssen Steuerungsebene und tatsächliche Weiterleitung getrennt geprüft werden. Eine Route kann im Protokoll gelernt, durch eine Richtlinie verworfen oder wegen eines anderen Präfixes nie verwendet werden. Nach Änderungen sind Nachbarschaft, Datenbank, Routingtabelle, Forwarding-Tabelle und Rückweg zu kontrollieren. Schnelle Konvergenz ist nicht automatisch stabil: zu aggressive Timer können kurze Lastspitzen als Leitungsfehler interpretieren. Zusammenfassungen und Filter reduzieren Größe, können aber Detailinformation verbergen.

Warum das Thema heute noch relevant ist

Die Relevanz dieser Verfahren wächst mit der Abhängigkeit von Netzen. Schon eine kleine fehlerhafte Ankündigung kann heute Rechenzentren, Cloudregionen oder Teile des Internets betreffen. Historisch gewachsene Vertrauensmodelle werden deshalb durch Filter, Authentifizierung, RPKI, Telemetrie und Automatisierung ergänzt. Trotzdem bleibt menschliche Kontrolle notwendig: Ein formal gültiger Weg kann geschäftlich oder sicherheitstechnisch falsch sein, und ein schneller Ersatzpfad kann andere Leitungen überlasten.

Daten und Meilensteine

  • EIGRP wurde 1992 von Cisco eingeführt.
  • DUAL ist der zentrale Konvergenzalgorithmus.
  • Feasible Successor bezeichnet einen garantiert schleifenfreien Ersatzweg.
  • RFC 7868 dokumentiert EIGRP informatorisch.

EIGRP – das Beste aus zwei Welten

EIGRP (Enhanced Interior Gateway Routing Protocol) wurde von Cisco als proprietäres Protokoll entwickelt und 2013 mit RFC 7868 als offener Standard veröffentlicht. Es wird oft als "Hybrid-Protokoll" bezeichnet, weil es Eigenschaften von Distance-Vector-Protokollen (wie RIP) mit Link-State-Elementen (wie OSPF) kombiniert.

EIGRP ist bei Cisco-lastigen Netzen bis heute weit verbreitet, weil es schnell konvergiert, ressourcenschonend ist und flexibel konfigurierbar. Es unterstützt IPv4, IPv6, IPX und AppleTalk (letztere veraltet) in einer einheitlichen Architektur.

Drei Tabellen, ein Algorithmus

EIGRP verwaltet drei Datenstrukturen pro Router:

  • Neighbor Table: Direkt verbundene EIGRP-Router. Hello-Pakete (alle 5s auf LAN, 60s auf WAN) halten die Nachbarschaft aufrecht.
  • Topology Table: Alle bekannten Routen zum Ziel — nicht nur die beste, sondern alle Alternativen mit ihren Metriken.
  • Routing Table: Nur die besten Routen (Successor-Routen) aus der Topology Table.
  • DUAL (Diffusing Update Algorithm): Berechnet Loop-freie Routen und Backup-Wege. Wenn die beste Route ausfällt und ein Feasible Successor existiert, wird dieser sofort aktiviert — keine komplette Reconvergence.

Successor und Feasible Successor

EIGRP kennt zwei Schlüsselkonzepte für Failover:

Successor ist die aktuell beste Route zum Ziel (niedrigste Feasible Distance = FD). Sie steht in der Routing Table. Feasible Successor ist eine vorberechnete Backup-Route, die garantiert loop-frei ist. Bedingung (Feasibility Condition): Der Reported Distance (RD) des Backup-Routers muss kleiner sein als die aktuelle FD. Ein FS wird sofort aktiviert, wenn der Successor ausfällt — keine Neuberechnung nötig, daher sub-second Failover.

EIGRP-Metrik

EIGRP nutzt eine zusammengesetzte Metrik aus Bandbreite, Delay, Reliability und Load (Standard: nur Bandbreite + Delay). Die K-Werte gewichten die Faktoren: K1=1 (Bandwidth), K2=0, K3=1 (Delay), K4=0, K5=0.

Formel: Metrik = (K1×Bandwidth + K3×Delay) × 256. Bandbreite = 10^7 / min-Bandbreite-in-kbps. Delay = Summe aller Delays in 10µs-Einheiten.

EIGRP unterstützt Unequal-Cost Load Balancing (variance-Kommando): Traffic kann auf Routen mit unterschiedlichen Metriken verteilt werden — etwas, das OSPF nicht kann.