AlmaLinux, Rocky Linux und CentOS Stream
Freie Systeme im Enterprise-Linux-Ökosystem
AlmaLinux, Rocky Linux und CentOS Stream gehören zum Umfeld von Red Hat Enterprise Linux, verfolgen aber unterschiedliche Rollen. Alma und Rocky streben RHEL-Kompatibilität an, CentOS Stream liegt als kontinuierlicher Entwicklungszweig vor RHEL.
CentOS und das Versprechen binärer Kompatibilität
CentOS entstand 2004 als frei nutzbarer Neuaufbau der veröffentlichten RHEL-Quellpakete. Ziel war eine möglichst binärkompatible Enterprise-Plattform ohne Red-Hat-Abonnement. Red Hat nahm das Projekt 2014 organisatorisch auf. 2020 wurde jedoch angekündigt, CentOS Linux zugunsten von CentOS Stream zu beenden. Stream liegt heute vor der nächsten kleineren RHEL-Ausgabe und ist damit Entwicklungszweig statt nachträglicher Kopie.
Diese Änderung traf Hostinganbieter, Forschung und Unternehmen, die CentOS als kostenlosen Langzeitstandard verwendet hatten. Innerhalb weniger Tage entstanden neue Projekte mit dem alten Kompatibilitätsversprechen.
Rocky Linux und AlmaLinux
Gregory Kurtzer, einer der ursprünglichen CentOS-Gründer, kündigte Rocky Linux im Dezember 2020 an. Der Name ehrt den verstorbenen CentOS-Mitgründer Rocky McGaugh. Die erste stabile Ausgabe erschien am 21. Juni 2021. AlmaLinux wurde vom Hostinganbieter CloudLinux initiiert und wird heute von einer gemeinnützigen Stiftung getragen; „alma“ bedeutet in mehreren Sprachen Seele.
Beide Projekte bauen Pakete aus verfügbaren Quellen neu, entfernen geschützte Marken und testen die Kompatibilität mit RHEL. Seit Red Hat den öffentlichen Quellzugang veränderte, betonen die Projekte unterschiedliche technische Wege und Zusagen, ohne RHEL-Code einfach unverändert weiterzugeben.
Oracle Linux und die Grenzen des Begriffs Klon
Oracle Linux existiert seit 2006 und bietet neben einem RHEL-kompatiblen Kernel den eigenen Unbreakable Enterprise Kernel. Ein System kann deshalb auf Paket- und Anwendungsseite sehr nah an RHEL liegen, sich im Kernel aber bewusst unterscheiden. Auch Support, Errata-Verteilung, Secure-Boot-Schlüssel, Cloudimages und Zusatzwerkzeuge variieren zwischen den Anbietern.
Der umgangssprachliche Begriff „Klon“ verdeckt diese Unterschiede. Für Migrationen müssen Repositorys, Kernelmodule, Managementagenten, Herstellerzertifizierungen und Supportverträge geprüft werden. Quellkompatibilität allein garantiert weder identische Binärdateien noch die Anerkennung durch einen Softwarehersteller.
Daten und Besonderheiten
- CentOS Linux war ein nachgelagerter RHEL-Neuaufbau; CentOS Stream liegt heute vor der nächsten RHEL-Unterversion.
- Rocky Linux ist nach dem verstorbenen CentOS-Mitgründer Rocky McGaugh benannt.
- AlmaLinux und Rocky Linux werden von gemeinnützigen Organisationen getragen.
- Binärkompatibilität, Herstellerzertifizierung und identischer Support sind drei unterschiedliche Aussagen.
Geschichte und Einordnung
CentOS entstand 2004 als frei nachgebautes Enterprise Linux. Ende 2020 kündigte Red Hat den Wechsel von CentOS Linux zu CentOS Stream an. Daraufhin starteten 2021 AlmaLinux und Rocky Linux als neue gemeinschaftliche Enterprise-Ableger.
Technik und Besonderheiten
Alle nutzen RPM, DNF, SELinux und systemd. CentOS Stream zeigt kommende RHEL-Änderungen früher. AlmaLinux und Rocky Linux zielen auf langfristig stabile Server, unterscheiden sich jedoch in Organisation, Buildprozess und Governance.
Support und heutiger Einsatz
Die Projekte orientieren ihre Hauptversionen typischerweise am Lebenszyklus der passenden RHEL-Generation. Trotzdem sind deren eigene Release-, Sicherheits- und Supportseiten maßgeblich; Binärkompatibilität ist kein Ersatz für einen kommerziellen Red-Hat-Supportvertrag.
Verbreitung und Nutzerzahlen
Öffentliche Download- und Mirrorzahlen erlauben keine verlässliche Gesamtzahl. Viele Instanzen entstehen automatisiert in Clouds oder als Templates. Die Systeme werden deshalb eher nach Ökosystem und Einsatzrolle als nach angeblicher Nutzerzahl verglichen.